Aus dem Inhalt
Auch der gesundheitliche Aspekt gibt für viele Raucher bei ihrer Entscheidung aufzuhören nicht allein den entscheidenden Ausschlag. Er ist eher in die Ablehnung durch die Öffentlichkeit, auf die der Raucher heutzutage stößt integriert. Man sieht in ihm jemanden, der wissentlich seiner Gesundheit schadet – und das außerdem noch auf Kosten anderer beispielsweise in Form steigender Krankenversicherungsbeiträge. Erst sozialer Druck hat so manchen dazu bringen können, das Rauchen zu lassen: Auch wenn er den Mangel an Dingen oder Geld oder gar an Gesundheit ertragen konnte, den Mangel an Anerkennung wohl nicht.
Die Gesundheitsaufklärung ist alt, doch erst in Kopplung mit nicht mehr nur Androhung, sondern dem Wahrmachen des Versprechens „Wir stoßen Dich aus, wenn Du nicht aufhörst“ fand sie ihre Wirkung. Der Mensch lässt sich mit Zwanzig nicht dadurch abschrecken, dass man ihm voraussagt: „Wenn Du regelmäßig rauchst, wirst Du mit Sechzig an Krebs sterben!“ Den meisten ist das zu abstrakt, sie glauben es nicht oder sind unfähig, sich etwas, das in so weiter zeitlicher Ferne liegt, vorzustellen. Und mit Vierzig sind sie so gefangen, dass sie selbst dann nicht mehr aufhören, wenn der Arzt ihnen sagt: „Wenn Du so weitermachst, hast Du noch zehn Jahre, für mehr kann ich nicht garantieren!“
Wir sind durch die Angst vor dem Morgen kaum zu schrecken, das sieht man bereits an unserer Umweltpolitik. Viele Ökologen sagen heute: „Wir haben noch zehn Jahre, danach entzieht sich die Entwicklung der Umweltbedingungen unseren Möglichkeiten der Einflussnahme und die Katastrophe wird unausweichlich.“ Das hält den Nachbarn nicht davon ab, seinen Kühlschrank im Wald zu entsorgen. Wir wussten schon in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts, was geschehen wird, wenn wir so weiter machen wie damals. Genug verbessert haben wir nicht, im Gegenteil, jetzt heißt es: „Katastrophe? Let’s go global!“
Mit der Angst vor durch Tabakrauchen ausgelösten Krankheiten in der Zukunft und der Vorstellung des eigenen Todes ist es ähnlich. Wir tabuisieren das, wir denken einfach nicht weiter drüber nach ... und die meisten von uns hoffen irgendwo auf Unsterblichkeit frei nach dem Motto: „Wenn es die anderen trifft, heißt das noch lange nicht, dass es auch mich treffen wird.“ Rein wissenschaftlich rational ist das gar nicht mal so falsch, aber etwas weltfremd bleibt es dennoch.
Für die Zigarettenindustrie ist diese unsere menschliche Fähigkeit, die eher unangenehmen Aspekte der drohenden Zukunft auszublenden, ein Segen, und mir will scheinen, für unser Finanzministerium auch. Die 14,3 Milliarden Einnahmen durch Tabaksteuer sind wahrlich keine Peanuts, sondern eine massive Abhängigkeit des Bundeshaushalts vom Weiterrauchen der Raucher. Eine Abhängigkeit, die schon vor Jahren hätte beseitigt werden müssen. Spätestens zu dem Zeitpunkt nämlich als der Traum von der Freiheit durch die Zigarette platzte und man mit Sicherheit wusste, dass das regelmäßige Tabakrauchen massive gesundheitliche Schäden hervorruft. Und das ist jetzt bereits mehr als vierzig Jahre her!
Derzeit verursacht die gesundheitsschädigende Wirkung von Tabak jährlich einen ökonomischen Schaden in Höhe von 20 Milliarden Euro, und allein in Deutschland sterben jährlich rund 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.
Für den Raucher ist es preiswerter und gesünder, mit dem Tabakrauchen aufzuhören und zum Steamer zu werden. Viele werden das einsehen und Geschmack an der Eziggy finden. Doch gerade dieser eigentlich positive Trend zur E-Zigarette wird den Staat in Form fehlender Steuereinnahmen Geld kosten. Und so kann die geleugnete Abhängigkeit des Staates vom Tabakraucher in den nächsten Jahren zum Problem werden, denn wie sollen die Kosten gedeckt werden, die derzeit die Tabak-„Lenkungs“-Steuer trägt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Behörden nicht mal wieder über ihre eigenen Entscheidungen stolpern und eine Lenkungssteuer für E-Zigaretten und damit verbundene Produkte zurück zum Tabakkonsum einführen ... und damit beweisen, was viele bereits lange vermuten, dass dem Staat die Gesundheit der Raucher - d.h. ihnen eine reelle Chance zu geben, vom Rauchen wegzukommen - wohl doch nicht so sehr am Herzen liegt, wenn’s auf den Geldbeutel drückt.
Viele Steamer fürchten, dass ein zu großes Bekanntmachen des Segens E-Zigarette möglicherweise zur Folge haben könnte, dass sie in die Apotheken verbannt wird. Diese Sorge scheint aber eher unberechtigt, denn als Mittel, dessen einziger Zweck und Nutzen die Rauch- und Nikotinentwöhnung ist, lässt sich die E-Zigarette sicherlich nicht einstufen.
Ein vollständiges Verbot der E-Zigarette, was hier und da befürchtet und hier und da diskutiert wird, wirkt bereits auf Grundlage des bisher Beschriebenen mehr als lächerlich ... kommt noch hinzu: Abgesehen vom Nikotin werden die Herstellungsstoffe der Liquids schon seit langem und zulässigerweise bei der Herstellung von Lebensmittels genutzt, und die Baukomponenten der E-Zigarette, des Verdampfungsgeräts also, sind ungefährlich und frei erhältlich.
Womit wir werden rechnen müssen, und was mir auch in Maßen sinnvoll erscheint, das ist eine leichte Zusatzbesteuerung der E-Zigarette. Doch damit habe ich persönlich weniger Probleme, denn erstens hat Tabakrauchen über Jahre Schaden angerichtet, der noch behoben und bezahlt werden muss, und zweitens ist auch die E-Zigarette nicht gesundheitlich unbedenklich, weshalb es sinnvoll erscheint, Nicht-Rauchern und Kindern und Jugendlichen den Zugang zu ihr zu erschweren, es aber dabei für den Tabakraucher immer noch hinreichend leicht und lukrativ zu machen, auf die E-Zigarette umzusteigen.
Wenn ich auch der Meinung bin, dass der Staat es massiv daran hat fehlen lassen, die Psychologie des Rauchers zu verstehen und ihm dabei behilflich zu sein, wirklich vom Rauchen wegzukommen, so sehe ich mich dennoch als Teil des Staates. Ich möchte mit dem Finger auf diejenigen zeigen, die sehenden Auges von den Rauchern profitieren und sich schon allein deshalb wenig Gedanken darüber machen, mit welchen Problemen der Raucher wirklich zu kämpfen hat. Doch möchte ich den Finger auch wieder senken, wenn es die Frage zu beantworten gilt, wie wir die bei der Heilung entstehenden Haushaltslücken decken werden.
Im Moment aber ist es für uns alle erst einmal am wichtigsten zu erkennen, dass Tabak eine Angstdroge ist – vor allem, wenn er inhaliert wird.
Und die selbst ernannten Moralapostel, gerade wenn sie das Kleid des Staatsbeamten oder des Pädagogen tragen, sollten gut aufpassen, dass sie nicht zu Suchtmachern werden. Sie nennen den Raucher „charakterschwach“ und wollen ihn mehr in die soziale Verantwortung ziehen. Dabei übersehen sie aber – willentlich und wissentlich, darf man gar manchmal vermuten – was die Droge Tabak mit den Rauchern anstellt.
Hier fehlt es massiv an Aufklärung – eine Aufklärung, die der Staat betreiben muss. Mit Drohungen in Richtung Lungenkrebs bewirkt er nur wenig, das haben die letzten vierzig Jahre deutlich gezeigt. Drohungen erzeugen Angst und die Angst lässt wieder zur Zigarette greifen.
Ist es Unwissenheit, die den Staat statt einer beschützenden und dem Raucher unter die Arme greifenden Politik eine einengende und ausgrenzende, eine Angst einflößende Kampagne hat führen lassen? Oder ist es vielleicht sogar jene Form von Ignoranz, die entsteht, wenn man eine Tatsache in den Hintergrund drängt, weil man weiß, dass sie einen an anderer Stelle behindert, nämlich hier an der, den Bundeshaushalt etwas aufzupeppen?
Was es auch sein mag, die Leistung des Staates hinsichtlich seiner Verantwortung, seine Bürger vor der Sucht und vor gefährlichen Stoffen zu schützen, ist mehr als mangelhaft.
Der Raucher ist ein Opfer eines Anpassungsmechanismus, der von der Zigarettenindustrie gnadenlos ausgenutzt wird. Als man erkannte, dass Zigaretten Krebs und schwere Herzkreislauferkrankungen verursachen und sich auch die Zigarettenhersteller letztlich dieser Tatsache stellen mussten, sah der Zigarettenhandel nichts weiter, als eine Rieseneinnahmequelle versiegen, und um dem vorzubeugen, griff man zum Mittel „Charakterdefinition“.
Lucky Strike war eine der ersten Zigaretten-Marken, die Individualität vortäuschte und dem Konsumenten aus Marketinggründen ein bestimmtes Rollenbild und eine bestimmte Geisteshaltung anbot: Gerade in dieser Zeit, in der die Gefahren, die in der Tabak-Zigarette stecken, immer mehr publik wurden, entwickelte Lucky Strike den Gegenslogan „Lucky Strike – It’s toasted!“ Und die hierin liegende Doppeldeutigkeit ist wirklich fies, denn zum einen wird nur eine allgemein bekannte Tatsache beschrieben, die für alle Zigaretten gilt: „Sie sind geröstet“ - Tabake werden eben im Herstellungsprozess der Zigarette geröstet, das ist nichts Besonderes. Aber „It’s toasted!“ assoziiert ebenso „Wohl sei’s!“, „Zum Wohl!“, „Es ist gepriesen!“, „Es ist beschlossen!“ ...
Das hier angebotene Mind-Set lautet also: „Auch wenn’s uns umbringt, wir lassen uns deswegen nicht abhalten, wir lassen uns auch nicht die Laune verderben, wir lassen es uns schmecken! Zum Wohl!“ Wer Lucky Strike kauft und raucht, ist also einer, der bereit ist, mit wehenden Fahnen und einem Lächeln auf den Lippen unterzugehen. Cool! Genau solche Kunden brauchen die Zigarettenhersteller ja! So schaffte es Lucky Strike von den Gefahren der Zigarette abzulenken und einen Typus zu prägen: „Den Wagemutigen, den Coolen, den Gutgelaunten, den Gesunden, ...“, der mit der Marke erworben und durch das Rauchen dieser Zigarette inkorporiert werden konnte.
Die übrigen Zigarettenhersteller erkannten bald, wie gut das klappt und entwickelten ihren eigenen Typus, und die Zigarettenindustrie war gestärkt aus ihrer Gesundheitskrise hervorgegangen: Die Marken hatten einen Weg gefunden, ihren speziellen Käufer zu kreieren, der höchstwahrscheinlich auch bei seiner einmal gefundenen Marke bleibt und auf sie schwört. Und das, obwohl Inhaltsstoffe, Geschmack und Wirkung der unterschiedlichen Marken gar nicht mal so verschieden sind. Was übrigens im Lauf der Jahre noch zugenommen, wie die Tabakqualität abgenommen hat.
Wie in jeder anderen Marketingkampagne auch, wurden die Marken bestimmten Zielgruppen zugewiesen. Was mit der Einführung der Filterzigarette übrigens noch leichter fiel, da das den Verabreichern der Tabakdroge Personenkreise erschloss, denen die Zigarette zuvor noch zu ekelig war, wie z.B. die Damenwelt.
Und falls Sie das noch nicht wissen sollten: Es waren die großen Kriege, die den Vormarsch der Zigarettenindustrie überhaupt erst möglich machten. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs wurde das Drehen von Tabak unter vielen Soldaten bekannter, und nach dem Ersten Weltkrieg bildeten sich die heute bekannten großen Tabakkonzerne. Im Zweiten Weltkrieg und im Korea-, wie auch im Vietnam-Krieg wurden die US-amerikanischen Soldaten kostenlos mit Zigaretten versorgt. Danach war der Siegeszug der Droge, die weltweit die meisten Todesfälle zu verzeichnen hat, nicht mehr aufzuhalten. Den Soldaten folgten die Eroberten, dann die Daheimgebliebenen, ihnen die Frauen, und mittlerweile sind es die Kinder und Jugendlichen.
Für die sich bildende Tabakindustrie waren unsere großen Kriege ein wahrer Segen – auch hier profitierten die Suchtmacher von den Leiden ihrer Mitmenschen!
Aber für den erstaunlichsten Suchtmacher von allen halte ich immer noch den Nikotin-Sucht-Mythos. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Die Tabak-Zigarette macht süchtig. Ja! Aber was an ihr oder in ihr ist es, das süchtig macht? Ist es wirklich, wie so gerne und einfach behauptet wird, das Nikotin? Macht Nikotin tatsächlich süchtig? Und wenn ja, in welchem Ausmaß? - Sehen wir mal.
Wenn Sie sich schon mit dieser Frage befasst haben, vielleicht mal im Internet recherchiert oder eine Aufklärungsbroschüre gelesen haben, dann sind Sie wahrscheinlich fast überall auf dieselbe Aussage gestoßen: Nikotin macht süchtig und zwar sofort. Bei Wikipedia lesen Sie, dass Nikotin in Sachen Suchterzeugung direkt nach Kokain kommt. Und ich denke, die meisten werden sich nicht weiter über die Stelle wundern, an der wir lesen, dass das scheinbar nur für das über die Lunge aufgenommene Nikotin und das intravenös zugeführte gilt, nicht aber beispielsweise für Nikotinpflaster.
Tatsache ist, und das ist eine Tatsache, die auf menschlicher Erfahrung beruht und nicht den schlauen Reden von Moralaposteln entsprungen ist, die mal neben einem Laborinstrument eingeschlafen sind und dann aufgewacht Laborwerte oder Daten aus Hirnuntersuchungen für menschlich lebendige Tatsachen gehalten haben: Die körperliche Abhängigkeit von Nikotin ist so gering, dass man die Entzugssymptome kaum spürt und dass diese nach 24 Stunden überhaupt nicht mehr zu bemerken sind.
Nikotin allein zu „entziehen“ ist ungefähr so schwer wie Koffein zu „entziehen“. Es mit starken bewusstseinsverändernden Drogen auf eine Stufe zu stellen ist kindisch. Eine Gewöhnung an Nikotin erfolgt zwar sehr schnell, aber seine Wirkung in verträglichen Dosen beeinträchtigt den Organismus nur leicht. Süchtig macht das ganze Paket Tabak-Zigarette mit seinen Inhalten und seinem Drumherum.
Wenn Sie schon einmal aufgehört haben zu rauchen, wissen Sie möglicherweise, wovon ich spreche. Sie haben vielleicht in den ersten 24 Stunden ein nervös-ziehendes, drängendes Gefühl und sind gereizt oder haben Aufmerksamkeitsprobleme, aber das war es dann auch schon in Sachen akuter Entzug. Was nach dem Absetzen von Tabak-Zigaretten natürlich sofort einsetzt, ist der Entgiftungsprozess, den das Nikotin und andere in der Zigarette enthaltene Stoffe bisher unterdrückt haben. Der Körper beginnt die über Jahre hinweg eingelagerten Schadstoffe abzubauen. Dieser Vorgang ist individuell sehr unterschiedlich und kann sehr unangenehm werden: Starker Husten, Übelkeit, Auswurf, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, ... diese starken Phänomene der ersten Phase der Entgiftung können 1-4 Wochen dauern.
Aber, was Sie hier spüren, sind längst keine akuten Entzugserscheinungen mehr: Es sind Genesungserscheinungen. Und wie gesagt, diese Effekte können einem sehr schlimm vorkommen. Genesung des Körpers und Entgiftung kosten nun mal Kraft. Viele wissen das nicht und halten die Heilung für Entzug und greifen, um dem ein Ende zu machen, wieder zur Tabak-Zigarette. Das ist natürlich völlig falsch. Die Zigarette unterdrückt den natürlichen Entgiftungsprozess einfach nur wieder. Was man für den Moment nach einer Zigarette vielleicht als Linderung empfindet, ist Betäubung und die braucht man sehr bald wieder. Dann hat man schnell auch wieder das Gefühl, sie vorsorglich zu brauchen und muss die Dosis erhöhen und die Einnahmeabstände verkürzen ... und genau das ist der Sucht/Entzugszyklus der Tabak-Zigarette! Da sind Sie schneller wieder drin als Sie denken können. Also Finger weg von der Tabak-Zigarette!
Lernen Sie, sich an die Heilung Ihres Körpers durch Ihren Körper zu gewöhnen. Es fühlt sich zuerst vielleicht ein bisschen wie eine lang anhaltende und starke Grippe an ... aber nach einer gewissen Zeit werden Sie sich stabil und dauerhaft besser, bald wieder normal, ausgeglichen und gesund fühlen.
Ich habe mit meiner Eziggy ziemlich schnell gelernt, wie wenig süchtig Nikotin eigentlich macht, denn bei der Umstellung auf die E-Zigarette entwickelte ich beim Versuch, die Suchtmacher der Tabak-Zigarette zu kompensieren eine Neigung dazu mir eine Überdosis Nikotin zu verpassen. Das fühlt sich ziemlich hässlich an: Kopfdruck, Druck hinter den Augen, Übelkeit, ... Mir persönlich hat diese Erfahrung ziemlich schnell beigebracht, wie wenig ich Nikotin eigentlich mag und brauche, und ich habe es sehr schnell völlig runterdosiert. Von wegen nikotinsüchtig! Das war nicht schwerer, als mit dem Kaffeetrinken aufzuhören. Und ich denke, wenn Sie wollen, können Sie es mit der E-Zigarette auch sehr schnell schaffen, nikotinfrei zu leben.
Man hat Sie mit einem Glaubenssatz süchtig gemacht! Und wer glaubt süchtig zu sein, versucht nicht so leicht aufzuhören, weil er auch glaubt, dass es schwer ist und er es nicht schaffen wird. An jemanden, der so verzweifelt ist, kann man immer länger, immer mehr Zigaretten verkaufen. Die Menschen an eine tolerierte Sucht glauben zu machen, ist aus kapitalistischer Sicht ein erstklassiges Werbekonzept.
Aber Sie sehen jetzt: Ihre „Sucht“ ist psychischer Natur, sie ist gemacht, sie ist Kopfsache, eine Angelegenheit systematischer Konditionierung – ob nun absichtlich oder nicht, das Resultat ist dasselbe.
Der französische Professor Robert Molimard (Physiologe) ist Spezialist in Sachen Tabak und Gesundheit, und Molimard bringt es auf den Punkt: Die Frage danach, ob Nikotin wirklich körperlich abhängig macht, ist mehr als strittig, und sie muss wohl eher mit „Nein“ beantwortet werden. Versuche mit Ratten (und so groß ist der Unterschied zum Menschen in dieser Hinsicht nicht) ergaben, dass Ratten zwar von Heroin ebenso abhängig werden können wie der Mensch, dass sie aber den Belohner Nikotin in Versuchen nur zwei- oder dreimal ausprobieren und dann wieder aufgeben. Hier muss gerade das Argument, dass Nikotinpflaster nicht süchtig machen, ziehen. Und es wundert einen schon ziemlich, dass das gewöhnlich kaum jemandem auffällt. Ob inhaliert, injiziert oder über die Haut aufgenommen, Nikotin zeigt in allen Fällen die gleiche Wirkung, und es konnte bisher nicht gezeigt werden, dass abhängig von der Form der Aufnahme die körperchemische Reaktion gravierend verschieden ist. Das bedeutet im Klartext: Nach allem, was wir bislang wissen, macht das inhalierte Nikotin körperlich keinen Unterschied zum Nikotinpflaster, und jemand, der nach vier Wochen vom Nikotinpflaster abhängig wurde, der ist mir bislang noch nicht begegnet.*
Das Rauchen ist (nach Molimard) Teil der Identität des Rauchers, die Entscheidung zum Rauchen war keine Willensentscheidung. Doch wenn diese mit Angst verbunden wird, wenn sich Ritual, Bindung und Glaube an die Sucht tief in die menschliche Persönlichkeit eingegraben haben, dann gibt es selbst dort Entzugssymptome, wo ein Entzug aufgrund mangelnder körperlicher Abhängigkeit gar nicht möglich wäre.
Wir sind komplexe Wesen, wir sind nicht einfach gestrickt, und wir glauben, was man uns jahrelang eintrichtert. Wir sind prägbar und konditionierbar, und wir sind Opfer einer großen Sucht-Mach-Kampagne. Ja wir zählen sogar selbst zu denjenigen, die anderen fleißig weiter von dieser Mär berichten. Am Ende nehmen wir wahr, worauf wir uns selbst gedrillt haben.
Ein Unterschied, der keinen Unterschied bewirkt, der ist kein Unterschied, was bedeutet: Wenn alle Faktoren zusammenwirken und wir selbst dem Glaubenssatz folgen, dann sind wir süchtig, dann nehmen wir alle Phänomene wahr, die der Sucht zugeschrieben werden, und das Aufhören wird dann für uns zu einer Qual.
Sie sollten, wenn Sie den Umstieg auf die E-Zigarette machen, mit dem Glaubenssatz, das Nikotin mache Sie körperlich abhängig, so schnell wie möglich aufräumen. Die wenigen Entzugssymptome, die Nikotin verursacht, die sind kaum wahrnehmbar. Sie können in aller Ruhe vom Tabakrauchen auf die E-Zigarette umsteigen und zunächst (oder, wenn Sie das möchten, auch für immer) Ihrem Ritual folgen. Mit der E-Zigarette können Sie die Entzugssymptome mindern, die Sie sich antrainiert haben, und danach können Sie – weiterhin in aller Ruhe – Stück für Stück, so wie Sie möchten, auch das Nervengift Nikotin absetzen. Ohne Zwang, ohne Druck.
* Den Text eines Interviews mit Prof. Molimard zu diesem Thema finden Sie hier:
http://www.e-rauchen-forum.de/thread-4285.html
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