von Gitta Peyn
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es für einen Verleger eine befriedigendere Aufgabe gibt als die, ein Buch herauszubringen, von dem man weiß, dass es zum Wohlbefinden, zur seelischen Zufriedenheit, zum Glück vieler Menschen beitragen wird.
Meist muss man nach solchen Büchern suchen – eine oft mühselige Arbeit, die nicht selten auch an mangelnder Originalität scheitert. Um so erhebender dann das Gefühl, auf eine einzigartige Blüte gestoßen zu sein, von der man mit großer Hoffnung davon ausgehen darf, dass sie sich im Leben der Leser zur kostbaren Rose entfaltet.
Als ich in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Aufblühen des New Age miterleben durfte, sehen konnte, wie sich eine ganze Generation dahin aufmachte, den Staub des Materialismus von den Füßen zu schütteln und eine neue intensiv gelebte Spiritualität zu erschaffen, erstarkte in mir das Bedürfnis hieran teilzuhaben.
Doch es ging wie mit allen Dingen, die Mode werden: Aus dem echten, ja fundamentalen Lebensinteresse wird eine Bewegung, und der Bewegung folgen die Wölfe des Konsums. So ist es denn heute ganz und gar nicht mehr leicht, die „Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen“ zu sortieren, wie es im Aschenputtel-Märchen heißt. Oder, um es mit William Kotzwinkle zu sagen, die Anzahl der Bücher mit Titeln (oder Inhalten) wie „Engel für die Anwaltskanzlei“ nehmen überhand.
Dementsprechend tun sich Leser, wie natürlich auch wirklich interessierte Verleger, mittlerweile sehr schwer, im Wald voller Unkraut noch das Pflänzchen mit echter Heilwirkung herauszufinden.
Und genau so steht es um dieses Buch, das dir nun als deutsche Erstausgabe vorliegt.
Aufmerksam auf das Thema machte mich mein guter Freund Stefan Strecker, der in lustvoller Suche nach Neuem, Aufregenden, Interessanten und manchmal Skurrilem auf HRM (Hira Ratan Manek) aufmerksam wurde, seine Forschung an der Wirkung des Sonnenlichts auf das menschliche Gemüt, seinen Körper und seine Spiritualität, und der dabei auf eine alte Technik stieß, wie man in den vollen Nutzen der Kräfte unserer Sonne gelangt.
Stefan schickte mir einen Link zu Youtube, den ich zunächst mit einigermaßen gemischten Gefühlen anschaute. Hierin war HRM zu sehen, der in liebenswürdig naiver, wie mir zunächst schien, gleichzeitig aber auch rigid-holpriger Art von Sungazing erzählte.
Natürlich hatte ich schon vor Jahren von Jasmuheen und ihrem Lichtnahrungsprozess gehört und diesen – mit mittlerem (meint weniger anhaltendem) Erfolg – auch praktiziert. Als Meditierender lässt man ja ungern eine weitere Technik zur Erlangung und Erhaltung der Erleuchtung aus J. Aber, begeistert war ich damals davon nicht – schon allein die Tatsache, dass Menschen am Lichtnahrungsprozess gestorben waren, reichte mir nun wirklich zum Grund mir zu schwören, niemals ein Buch zu so einem Thema zu veröffentlichen. In meinen Augen war (und ist) das nicht nur unverantwortlich, es ist auch unmenschlich, und die lakonische Antwort Jasmuheens auf den Vorwurf, dass eine Frau in mittleren Jahren beim Durchführen des Lichtnahrungsprozesses an Nierenversagen starb, „Sie hatte wenigstens einen schönen Tod“, ist, um es mit den Worten meiner bodenständigen und selten ein Blatt vor den Mund nehmenden Schwester auszudrücken ein „absolutes No-Go“!
Doch, ich nahm mir die Zeit für HRM und sein Sungazing und sah mir das Video mehrfach an, und so kam ich nach weiteren Recherchen zum Schluss, dass dies hier nicht nur ungefährlich, sondern auch wirklich sehr nützlich ist. Der Gedanke es herauszubringen manifestierte sich.
Im April 2010 besuchte mich Stefan, der auf denselben Gedanken gekommen war. Ob er oder ich es herausbringen, das war nun die heikle Frage, die am Ende im einzig vernünftigen und menschlichen Ergebnis mündete: Wir machen es gemeinsam.
Stefan hatte zu dem Zeitpunkt bereits ein paar Tage Sungazing gemacht, während ich gerade erst damit anfing. Um sicher zu gehen, dass ich auch aus eigener Erfahrung mit gutem Gewissen sagen kann: a) Sungazing ist ungefährlich und b) die von HRM präsentierten Ergebnisse sind wiederholbar, wollte ich einige Zeit vergehen lassen, bevor das Buch dann bei RaBaKa-Publishing erscheint.
Nun haben wir November, und ich kann die Wirkung auf die Seele voll bestätigen. HRM erklärt, dass sich in den ersten Monaten eine allgemeine Beruhigung der Gedanken einstellt, dass man den Zweifel an den eigenen Entscheidungen verliert, sicherer wird im Denken und Handeln. Gewiss – meine jahrelange Erfahrung im Meditieren verschleiert das Ergebnis ein wenig – aber ich spüre doch einen deutlichen Unterschied. Und ob ich es nun mochte oder nicht, das für das gesamte Verlagswesen harte Jahr 2010 half mir auf seine Weise dabei. So entstand, wie so oft, aus etwas Anstrengendem eine neue Sicht auf das Leben, während einem das Universum parallel zu den harten Aufgaben des Lebens immer die Mittel an die Hand gibt, diese auch zu bewältigen.
Nimmt man die verlegerische Verantwortung bei Themen dieser Art ernst, kann man aber auch nicht dabei aufhören, das Buch und seinen Hintergrund zu studieren und die propagierten Ergebnisse selbst nachzuvollziehen. Man muss auch den Hintergrund des Autoren unter die Lupe nehmen. Es treiben sich schon genug Scharlatane herum, die Wasser predigen aber Wein trinken.
Ich entschloss mich also zu weiteren Suchen im Netz und auch dazu, Hira Ratan Manek persönlich zu kontaktieren, um eventuell auftauchende Unstimmigkeiten zu klären, zu beseitigen oder aber – um im Interesse derjenigen, die sich vertrauensvoll diesen in diesem Buch beschriebenen Techniken hingeben möchten – die richtigen Warnungen zu liefern.
Es dauerte gar nicht lange, da stieß ich auf die ersten Widersprüche.
Ich werde gleich darauf eingehen, welche das sind, doch zuerst möchte ich erklären, warum ich mich dafür entschieden habe, diese Widersprüche, diese Fehlinformationen, in diesem Buch drinzubehalten.
Der Grund hierfür ist sehr einfach: Gerüchte entstehen und halten sich. Noch nie ist durch Schweigen ein Gerücht ausgelöscht worden, doch das einfache Reden gegen ein Gerücht reicht ebenfalls nicht aus. Wenn über einen Menschen Gerüchte im Umlauf sind, ob nun gute oder böse, verbreiten diese sich heute so stark, schnell und umfassend, dass es kaum noch jemandem möglich ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich hatte das gerade erlebt, als mir ein Link zu einer Petition beim Bundestag vorgelegt wurde, nach dem es angeblich ab dem 10.11.2010 zum Gesetz würde, dass jedes Heilkraut unter das Arzneimittelgesetz falle. In meinem Versuch, die Wahrheit zu entdecken, musste ich über zwanzig Seiten bei Google durchforschen, um am Ende herauszufinden, dass es sich dabei um eine Ente handelte. Zu diesem Zeitpunkt hatten mittlerweile 27.000 Menschen die Petition unterzeichnet und in den meisten Esoterik- und Heilerforen tauchten entrüstete und besorgte Aufforderungen an die anderen Leser auf, die Petition ebenfalls noch schnell zu unterschreiben.
Wie also, das war meine Frage, konnte ich dafür Sorge tragen, dass du weißt, was von all dem zu halten ist – dass du weißt, welche Aussagen über Sungazing und über HRM der Wahrheit entsprechen und welche nicht. Die Antwort darauf lautet: Ich muss hier die Wahrheit und die Lüge präsentieren, dann weißt du Bescheid.
Hira ist in den letzten Jahren mehr oder weniger um die ganze Welt gereist und hat dabei fast immer bei Anhängern des Sungazing übernachtet. Die begeisterten erzählten sich Wunderdinge von ihm, manche übertrieben es damit – und das führte dann dazu, dass sich die Enttäuschung in „HRM ist auch nur ein Scharlatan“ ausdrückte, was in einigen unangenehmen Artikeln über ihn (wie dem bei Esowatch.com) naturgemäß seinen Niederschlag fand.
Man muss über Hira wissen: Er ist kein heiliger Guru, kein Mensch mit übernatürlichen Kräften, und so wie ich ihn erleben konnte, ist er auch kein Lügner. Er ist einfach ein ganz normaler Mann, der sich – wie das in Indien so häufig vorkommt – im Rentenalter für die Hauslosigkeit (Sanyasin) entschied und sich als Projekt für seine Erleuchtung die Sonne aussuchte.
Doch gehe ich nun auf die einzelnen Problempunkte ein.
HRM sagt, das Sungazing kann früher oder später dazu führen, dass der Hunger aufhört, dass man nicht mehr essen muss. Es geht über ihn das Gerücht, er habe selbst seit etlichen Jahren nichts mehr gegessen.
Das stimmt nicht. Es ist richtig, dass Hira zwei lange Fastenperioden durchführte, eine davon unter so strenger Aufsicht, dass man sie zwar noch nicht wirklich „wissenschaftlich“ nennen kann, dass man aber durchaus aufgrund der Berichte der untersuchenden Ärzte davon ausgehen darf, dass er in diesen Zeiten nichts anderes zu sich nahm als Wasser. Die zweite – und sehr viel aufschlussreichere – Fastenzeit dauerte 411 Tage.
Seither trinkt er zwar weitestgehend Flüssigkeiten, doch wie er mir in einigen Emails versicherte, isst er ab und zu. Auch für ihn reicht – je nach Stressphase – die Ernährung durch Sonnenlicht alleine nicht aus.
Er betont auch immer wieder, dass die Befreiung vom gewöhnlichen Hunger nicht das Ziel des Sungazing sein darf. Auch als Diät ist diese Methode untauglich.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, HRM sei von der NASA eingeladen worden, da diese nach Ernährungsmethoden für Langzeitraumreisen sucht.
Wer sich das ausgedacht hat, ist nicht mehr nachvollziehbar, doch es ist tatsächlich einfach nur eine Mär.
Auch wird immer wieder behauptet, Hira hätte in den Vereinigten Staaten unter Aufsicht einiger Ärzte (darunter z. B. Andrew Newberg) eine Fastenzeit durchgeführt.
Newberg und HRM erklärten mir beide, dass dies nicht der Fall war. Es wurden Aufnahmen von HRMs Gehirn gemacht, mehr aber auch nicht.
Ferner heißt es, Sungazing könnte einen komplett von körperlichen Krankheiten befreien und man könne bis zum Tode gesund leben.
Hira selbst erkrankte dieses Jahr im August an einer hartnäckigen Halsentzündung – der Reisestress, die vielen Vorträge hatten ihn seiner Kräfte beraubt.
Sind die Aussagen über die Heilwirkung der Sonne längst noch nicht hinreichend erforscht, um sicher sagen zu können, dass man hiermit ausnahmslos alle psychischen wie physischen Krankheiten wird heilen können.
Es ist korrekt, dass die Heilwirkung der Sonne untersucht wird und man hier auch zu ersten Ergebnissen gekommen ist. Zur Behandlung von Depressionen wird das Sonnenlicht eingesetzt, aber auch zum Beispiel zur Behandlung von Knochen- und Hauterkrankungen. Man sollte hier offen bleiben, der Forschung folgen, sich aber nicht zu allgemeinen Äußerungen hinreißen lassen, ohne sich auf wissenschaftliche Belege zu stützen. Es kann sein, dass Hiras Vermutungen, dass man mit der Sonne fast alles heilen kann, richtig sind. Bis das bewiesen ist, bleiben es Vermutungen. Das ändert aber nichts daran, dass jeder von uns für sich selbst herausfinden sollte, wie gut sich das Sonnenlicht auf das persönliche Befinden auszuwirken vermag.
Ich weiß, dass in dieser Zusammenstellung von Vina Parmar manche Textpassagen so wirken, als stammten die Aussagen direkt von HRM. Hier sollte man gutmütig ein Auge zudrücken, Hira schreibt kaum, außer mal ab und zu Emails oder kleinere Beiträge in Foren – die Texte sind von Anhängern des Sungazing angelehnt an seine Vorträge geschrieben. Da passiert so etwas nun einmal. Da es sich bei diesen Autoren auch nicht um Profis handelt, hat das ganze Buch leichten Stückwerkcharakter, den wir uns hier bemüht haben, so gut wie vertretbar, ohne das amerikanische Original zu zerstören, zu erhalten. Dennoch wurden die betreffenden Beiträge im Lektorat dem gehobeneren Anspruch der deutschen Leserschaft entsprechend sprachlich angepasst, ohne den Originalstil ganz zu zerstören.
Dieses Original war bewusst so konzipiert, dass sich der Leser nicht linear durch die Materie durcharbeiten muss, sondern es einfach irgendwo aufzuschlagen vermag und dort seine Informationen über Inhalte und Praxis des Sungazing erhält. Entsprechend mag derjenige, der es von Anfang bis Ende durchliest, manchmal denken „na, das hatten wir doch schon ein paarmal“. Hierzu möchte ich keine Entschuldigung, sondern eine Erklärung abgeben: Dieses Buch ist nicht für Wissenschaftler geschrieben, nicht für die intellektuelle Elite der Menschheit gedacht, sondern jeder soll in den Genuss dieser wunderbaren Technik gelangen können. Da man dabei aber durchaus auch Fehler machen kann, gebietet es das Interesse an der Gesundheit der Leser, lieber einmal öfter darauf einzugehen, wie man es richtig macht, auch wenn das manche ermüden mag. Lichtnahrung ist ein empfindliches Thema, zu viel Unheil wurde schon angerichtet – ich möchte nicht diejenige sein, die dem noch einen drauf setzt, indem das Augenlicht und die Gesundheit unserer Leser in Gefahr gebracht wird.
Der nächste für uns Europäer manchmal etwas schwierige Punkt, das ist der der „wissenschaftlichen Untersuchung“. Wir kennen diese als neutral, abgeschirmt, gründlich, während man in Indien einen ganz anderen Wissenschaftsbegriff hat, der Jahrtausende in der Kultur der Inder verwurzelt ist. Man geht im allgemeinen besser davon aus, dass Hira anders denkt als wir Deutschen, sollte dabei aber nicht so weit gehen, das auch auf die untersuchenden Ärzte zu übertragen. Der Bericht des Endokrinologen Dr. Navneet Shah, der unter anderen die 411-Tage Fastenzeit HRMs begleitete, ist faszinierend genug.
Doch genug der Schwierigkeiten, kommen wir zu den schönen Dingen des Sungazing.
Was ist eigentlich Hira Ratan Maneks vordringlichstes Ziel gewesen, das Sungazing den Menschen neu zu geben?
Die mentale Gesundheit, die innere Ausgeglichenheit, die Balance der Seele und des Gemüts.
Hira erkennt wie viele von uns ganz klar, dass die Probleme der Menschheit sehr viel leichter zu bewältigen wären, sind mehr Menschen seelisch zufrieden, können sie ihre Entscheidungen klar und einfach fällen, sind sie dazu in der Lage, ihrem Bedürfnis nach Liebe gesünder Ausdruck zu verleihen. Wir kennen das alle: Wenn wir unzufrieden sind, uns der Stress unsere Ruhe geraubt hat, dann wird ein ausgeglichener Mensch, der uns sein Ohr leiht, zum Segen.
Jeder kann zu so einem Segen werden – sieht man einmal davon ab, wie befreiend es schon allein ist, sich insgesamt gesünder und wohler zu fühlen.
Und die simpelste, die einfachste Technik, zu solch einer Ausgeglichenheit zu gelangen, das ist das Sungazing. Jedem Menschen steht das Sonnenlicht frei und kostenlos zur Verfügung, und wenn ich auch davon überzeugt bin, dass dem ernsthaft Strebenden die Meditation nicht ersetzt werden kann, glaube ich doch, dass Sungazing für viele sehr viel leichter durchzuführen ist. Man braucht dafür nichts anderes als ein wenig bloße Erde unter baren Füßen und das Licht unseres Sterns in der ersten Stunde nach dem Sonnenaufgang oder in der letzten Stunde vor dem Sonnenuntergang.
Für Hira ist die mentale Ausgeglichenheit der Menschen die Grundvoraussetzung für den Weltfrieden, und ich denke, er liegt damit richtig. Ein ausgeglichener Mensch kann zwar nicht jedem Streit aus dem Wege gehen, aber er wird von sich aus nun auch nicht gerade Streit suchen – erst recht wird er keinen anzetteln.
Natürlich ist es etwas illusorisch, davon auszugehen, wir könnten die gesamte Menschheit vom Sungazing überzeugen, doch das müssen wir auch gar nicht. Jeder Einzelne, der durch Sungazing zu einem besseren Menschen geworden ist, leistet seinen Beitrag für die Gemeinschaft, und wenn es auch kaum etwas Schädlicheres für die Welt gibt als einen Weltverbesserer, so ist der ausgeglichene Mensch jemand, der der Welt etwas Besseres schenkt: sich selbst, seine Liebe und Ruhe, seine inneren Werte.
Du musst nicht zum überzeugten Sungazer werden und jedem, der es haben will oder nicht, von diesem Buch und dieser Praxis erzählen. Probier es einfach nur aus, viel Zeit kostet es ja gerade am Anfang nicht. Es ist meiner Ansicht nach sinnvoll, ein Tagebuch zu führen, damit man über die Wochen hinweg sehen kann, welche Erfolge sich eingestellt haben, doch auch das muss nicht sein.
Sungazing, das ist in meinen Augen zunächst ein Selbsterfahrungsversuch, in dem man sich in wenigen Minuten des Tages einmal ganz darauf konzentriert, zufrieden und gesund zu sein, während man die Kraft nutzt, die alles Leben weckt, erhält, ernährt und wärmt: unseren gelben Stern, die Sonne. |